„Alles wird noch digitaler“

23. November 2019

Bernd Griese, Vorstand der Volksbank Bigge-Lenne, im Interview

Hochsauerlandkreis / Kreis Olpe. Im Sommer hat die Volksbank Bigge-Lenne ihre Strategie für die Zukunft vorgestellt. Im Kern ging es dabei um die Neuausrichtung der Bank und ein neues Standortkonzept. 2012 hatte die Bank noch 42 personenbesetzte Filialen. Mittlerweile sind es noch 23, künftig sollen es nur noch 10 sein. Bernd Griese, Vorstand der Volksbank Bigge-Lenne, erläutert im Interview die Situation der heimischen Banken und die daraus resultierenden Schritte.

Bernd Griese, Vorstand der Volksbank Bigge-Lenne, (r.) im Interview mit SauerlandKurier- Chefredakteur Tim Plachner. Frank Segref, Leiter Marketing und Unternehmenskommunikation, saß ebenfalls mit am Tisch. Foto: Christian Weber

SK: Herr Griese, wie stellt sich die aktuelle Situation der Banken für Sie dar? Oder anders gefragt: Wie „geht es“ der Volksbank Bigge-Lenne?

Griese: Mit dem bisherigen Geschäftsverlauf im Jahr 2019 sind wir zufrieden. Unter anderem hat sich das Kreditgeschäft in unserer Region mit einem Wachstum von 5% sehr positiv entwickelt. Auf der anderen Seite spüren wir den  „Wind of change“, denn  es wird sich eine Menge ändern. Was aber bleiben wird, ist das niedrige Zinsniveau. Darauf müssen sich Banken, aber vor allem natürlich auch unsere Kunden weiterhin einstellen. Daran wird auch der Wechsel an der Spitze der europäischen Zentralbank EZB nichts ändern.

SK: In der Realität bedeutet das ja, unter Einberechnung aller Faktoren, dass der Durchschnittssparer Geld verliert.

Griese: Absolut. Denn wenn man eine Inflationsrate von 1,4  Prozent mit einbezieht, dann entsteht unterm Strich ein Kaufkraftverlust. Dazu gibt es beeindruckende Zahlen: Laut unserem Bundesverband haben Sparer seit dem Jahr 2008 358 Milliarden Euro Zinseinnahmen verloren – eine wahnsinnig hohe Summe. Auf der anderen Seite hat der Staat in den letzten 10 Jahren Zinsaufwendungen in Höhe von 368 Mrd. Euro gespart.  Er ist der Profiteur dieser Zinspolitik. Das ist eine große Umverteilung.

SK: Leidtragende sind aber dennoch auch Häuser wie die Volksbank Bigge-Lenne. Ihr Geschäftsmodell bröckelt weiter.

Griese: Wir spüren den Druck, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben bereits 2017/2018 damit begonnen, uns mit der Zukunft unserer Bank auseinanderzusetzen und unser Geschäft einer tiefen Analyse unterzogen.  Wir werden die Volksbank Bigge-Lenne an das dramatisch veränderte Kundenverhalten, bedingt durch die Digitalisierung, anpassen. Die große Mehrheit der Bankgeschäfte erledigt der Kunde heute selbstständig und digital. Und zwar an 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Erst bei Themen wie Geldanlage, Immobilienfinanzierung oder Altersvorsorge entsteht persönlicher Beratungsbedarf. Und diese Wünsche bedienen wir dann natürlich auch kompetent und vor Ort an zukünftig 10 Standorten sowie telefonisch bzw. digital durch unsere Spezialisten.

SK: Dafür braucht es aber Mitarbeiter, die das mittragen – und deren berufliches Umfeld sich dadurch gegebenenfalls auch ändert.

Griese: Richtig. Deshalb haben wir darüber mit jedem einzelnen Mitarbeiter gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Notwendigkeit dieser Veränderungen gesehen und verstanden worden ist. Sehen Sie: Die Geschichte unserer Genossenschaftsbank geht nun schon über 137 Jahre. Und was hat es in dieser Zeit alles für Verwerfungen und Herausforderungen gegeben? Wir werden auch diese hier meistern.

SK: Die Volksbank Bigge-Lene wird von ihren über 47.000 Mitgliedern getragen. Sie haben den Weg eingeschlagen, diesen – neben den üblichen Bankgeschäften – weitere Mehrwerte anzubieten. Was ist da für 2020 geplant?

Griese: Wir werden über unsere Mitgliederakademie erneut Seminare und Vorträge anbieten. Da geht es zum Beispiel um ganz grundlegende Dinge wie: Wie funktioniert eigentlich Online-Banking? Unsere Mitglieder nehmen die Volksbank aber als Partner wahr, dem sie auch in anderen Lebensbereichen Vertrauen entgegenbringen. Deswegen bieten wir auch Vorträge zu Themen wie Ernährung, Schutz vor Gefahren im Internet, Frauen und Rente oder Bewerbungstraining an. So binden wir Mitglieder und Kunden und werden ein regelrechter Netzwerkpartner.

SK: Blicken wir noch ein bisschen weiter in die Zukunft. Wenn jetzt schon alles digital ist – wie wird das alles 2023 aussehen?

Griese: Die Antwort ist einfach: noch digitaler. Wir glauben, dass sich das mobile Bezahlen weiter durchsetzen wird. Natürlich wird die Bargeldversorgung weiter durch uns sichergestellt, aber die Nachfrage nach Bargeld wird weiter sinken.

In 2023 wird die Volksbank Bigge-Lenne ihren Mitgliedern und Kunden mit dem weiteren Ausbau der digitalen Kanäle und hochwertiger Beratungskompetenz einen exzellenten Service bieten: digital, nah, 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche.

SK: Herr Griese – vielen Dank für das Gespräch.

Mit Bernd Griese sprach Chefredakteur Tim Plachner.