„Die Zukunft gehört den Machern“

22. November 2020

Vorstand Michael Griese über die Volksbank im „Corona-Jahr“

Lennestadt. Mitten in der eigenen Weiterentwicklung ist die Coronakrise auch bei der Volksbank Bigge-Lenne das zentrale Thema dieses Jahres. Im Interview zieht Vorstandsmitglied Michael Griese eine - trotz aller Sorgen - vorsichtig positive Zwischenbilanz des Geschäftsjahrs. Dass „Corona“ die digitalen Themen weiter befeuert hat, kann die Bank anhand von eindrucksvollen Zahlen belegen.

Michael Griese
Michael Griese, Vorstand der Volksbank Bigge-Lenne, blickt vorsichtig optimistisch auf das kommende Jahr.

Herr Griese, die Coronakrise beschäftigt die Menschen in 2020 privat und beruflich mehr als jedes andere Thema. Wie sehr dominiert sie auch das Geschäftsjahr der Volksbank Bigge-Lenne?

Das ist bei uns nicht anders. Intern mussten wir verschiedene Maßnahmen ergreifen, um unsere Mitarbeiter zu schützen. Home-Office, Video-Konferenzen und Hygienemaßnahmen sowie die Bildung von Teams sind da nur einige Beispiele. Und wir merken natürlich auch, wie sehr es unsere Kundschaft und damit auch uns belastet.

Was ist da ihr Eindruck, welche Rückmeldungen gibt es aus der Kundschaft?

Insgesamt glaube ich, dass uns – global betrachtet – die Digitalisierung extrem bei der Bewältigung dieser Krise hilft. Sonst wären wohl weite Teile der Wirtschaft zusammengebrochen. Zwei „Lockdowns“ werden starke negative Auswirkungen haben, keine Frage. Wir wollen aber auch nicht dramatisieren, sonst verhindern wir psychologisch den Aufschwung. Denn die Industriebetriebe und Geschäfte bleiben aktuell geöffnet. Die Autobranche ist dabei, sich zu erholen, das Handwerk stabil. Momentan gilt es, irgendwie durch das Jahr zu kommen. Die Wachstumsprognosen für 2021 stimmen uns zuversichtlich. Unser regionaler Mittelstand ist stark und hat gut vorgesorgt.

Die öffentliche Wahrnehmung ist da etwas anders.

Verständlich, weil es auch kritische Bereiche gibt. Beispielsweise der Handel, die Eventbranche oder Hotels und Gastronomie. Wir als Volksbank sind da nah dran an unseren Kunden. Wir sind immer im Gespräch mit unseren Kunden und nutzen selbstversändlich alle Instrumente von Bund, Land und EU, um in Schieflagen helfen zu können.

Besteht da nicht auch die Gefahr des Missbrauchs von „Finanzspritzen“?

Ja, aber wir haben da eine klare Linie: Nur wer vor der Krise kreditwürdig war, der ist es auch für uns aktuell. Wir schauen da schon genau hin und packen dort an, wo die Zahlen passen. Als Volksbank Bigge-Lenne haben wir beispielsweise schon rund 12 Mio. Euro an Soforthilfen ausgezahlt. Auch die sogenannte Dispo-Brücke für Privatkunden mit bis zu 5000 Euro zu 3,95% p.a. Zinsen wird gut in Anspruch genommen.

Die Coronakrise sorgt dafür, dass die Menschen mehr zu Hause bleiben müssen. Können Sie anhand ihrer Zahlen ablesen, dass dadurch zum Beispiel auch Themen wie Homebanking mehr genutzt werden?

Absolut. Das ist in diesem Jahr alles nochmal – von einem ohnehin schon hohen Niveau ausgehend– weiter gestiegen. Mittlerweile erfolgen 83,5% der eingereichten Überweisungen per Onlinebanking.

Wie sieht es aus beim kontaktlosen Bezahlen, was ja aus hygienischer Sicht sinnvoller denn je ist? Spielt der Handel da mit und setzt mehr auf EC-Terminals?

Ja. Die Anzahl der Terminals, die wir im Handel, unter anderem nun auch vermehrt in Bäckereien und Metzgereien, installiert haben, ist seit Beginn der Krise bis heute um 13% gestiegen. Dazu zählen auch seit Anfang November die Weihnachtsbaumhändler, die nun ebenfalls stark auf Kartenzahlung setzen. Die durchschnittlichen Transaktionen mit Kartenzahlungen mit der Girocard sind um 32 Prozent gestiegen.

Blicken wir auf die Volksbank Bigge-Lenne selbst. Wie entwickelt sich das „Corona“-Geschäftsjahr?

Abschließend können wir das in einer dynamischen Lage noch nicht beurteilen. Bis jetzt ist es zufriedenstellend. Positiv ist, dass wir zum Beispiel im Kreditgeschäft mit Stand 30. September um 6,6% zulegen konnten. Auch Wertpapiere waren in Krisenzeiten gefragt. Im Wertpapiergeschäft können wir bislang Zuwächse von rund 9% ausweisen.

Sie befinden sich mitten in einem 2018 eingeleiteten Transformationsprozess. Hat „Corona“ dieses Thema zusätzlich beschleunigt?

Ich möchte es anders formulieren: Wir sehen uns mehr denn je in dem bestätigt, was wir im Rahmen von „Zukunft23“ ausgerufen haben. Die Zukunft gehört den Machern. Wir haben die Notwendigkeit zum Handeln früh erkannt. Die Umstrukturierung, zu der auch  Filialschließungen gehören, war auch für unsere Kunden nicht einfach. Konkret heißt das bei uns: Wir werden, wie bereits berichtet, am 31. Januar 2021 sieben weitere Standorte  schließen: Saalhausen, Meggen, Elspe, Welschen-Ennest, Fretter, Wormbach und  Siedlinghausen. Da blutet uns wirklich das Herz, das sind alles traditionelle Standorte mit teils langer Historie. Aber wir machen es, weil wir es müssen. Jede Woche schließen bundesweit gesehen im Durchschnitt 33 Bankfilialen – und eine Bank stellt ihren Betrieb  leicht komplett ein. Das sind die blanken Zahlen. Wir haben den Schließungen aber auch etwas entgegen zu setzen: Wir werden im Februar 2021 unser neues Kundendialogcenter eröffnen. Das wird unseren Kunden auch zeitgemäße Angebote wie Co-Browsing, Chat und Videocalls unterbreiten. Selbstverständlich stehen alle Berater zu persönlichen Gesprächen in den Beratungszentren weiter zur Verfügung.

Wir wirken sich all diese Prozesse auf die Belegschaft aus?

Da gebührt unseren Mitarbeitern ein großer Dank. Gemeinsam haben wir in dieser schweren Zeit sehr gut zusammengehalten. Es hat sich auch ausgezahlt, dass wir Klartext gesprochen haben – nach außen und nach innen. Beispielsweise zu unseren Mitarbeitern über eine  interne Plattform, wo wir mit kleinen Videoclips und anderen Beiträgen unsere Maßnahmen erläutern. Das kommt gut an. Der gesamte Transformationsprozess ist ohne  betriebsbedingte Kündigungen ausgekommen. Wir haben lediglich über altersbedingtes Ausscheiden Stellen abgebaut.

Mit Michael Griese sprach Chefredakteur Tim Plachner.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Sauerlandkurier