Volksbanken fürchten Haftung für Großbanken

Andreas Ermecke kritisiert Pläne für gemeinsame EU-Einlagensicherung

Schmallenberg, 5. November 2015.  Werden solide Genossenschaftsbanken künftig zur Kasse gebeten, wenn große private Geschäftsbanken schlecht wirtschaften und deswegen in die Knie gehen? Diese Frage stellen sich aus aktuellem Anlass auch die Volksbanken im Hochsauerlandkreis. Hintergrund für die Sorge der Kreditgenossenschaften: Die EU-Institutionen – allen voran die Kommission mit ihrem Präsidenten Jean-Claude Juncker – wollen die verschiedenen Systeme zur Einlagensicherung zu einem einheitlichen europäischen System zusammenführen. Davon wäre auch die bewährte und komfortabel mit Rücklagen ausgestattete Sicherungseinrichtung der deutschen Genossenschaftsbanken betroffen.

Andreas Ermecke
Volksbank Bigge-Lenne Vorstandsmitglied Andreas Ermecke

Dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken gegen die Brüsseler Pläne Sturm laufen, liegt nach Ansicht von Andreas Ermecke (Volksbank Bigge-Lenne), Sprecher der Volksbanken im Hochsauerlandkreis, auf der Hand. Der Bankvorstand: „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland verfügen über ein hervorragendes Sicherungssystem. Hier ist in über 80 Jahren noch keine Bank insolvent gegangen und kein Sparer zu Schaden gekommen.“

Warum das so ist, erklärt Ermecke so: „Zum einen betreiben wir Genossenschaftsbanken weniger riskante Geschäftsmodelle. Zum anderen gilt bei uns das Prinzip: Keine Haftung ohne gegenseitige Kontrolle.“ Wenn bei einer Genossenschaftsbank Probleme aufträten, würde die genossenschaftliche Sicherungseinrichtung dafür sorgen, dass die Weichen strategisch neu gestellt würden.

Bei einem neu zu schaffenden europäischen Einlagensicherungssystem rechnet die Gruppe der Genossenschaftsbanken mit spürbar höheren Kosten. Ermecke: „Grund dafür sind die im Vergleich zu unserem Verbund deutlich höheren Risiken bei einigen großen privaten Geschäftsbanken in der EU – und das sind Risiken, auf die wir keinen Einfluss haben.“

Höhere Kosten aber sind das, was die deutschen Regionalbanken in der gegenwärtigen Situation – Stichwort „Niedrigzinsphase“ – am wenigsten gebrauchen können. Ermecke: „Der drohende Kostendruck wäre nur durch Sparmaßnahmen oder eine Verschlechterung der Konditionen für unsere Mitglieder und Kunden zu kompensieren. Auch deswegen wehren wir uns entschieden gegen eine Zusammenführung der Einlagensicherungssysteme.“