"Die Staatsschuldenkrise ist nicht überstanden, sie wurde nicht einmal verstanden", ist Peter Kaufmann überzeugt. "Die derzeitige Situation", so der Vorstandssprecher der Volksbank Bigge-Lenne beim traditionellen Bilanzpressegespräch am Freitag auf Burg Schnellenberg, "sei grotesk". Europa leide weder unter einer Banken- noch unter einer Euro-Krise, Wurzel allen Übels sei die Staatsschuldenkrise, weil die Regierungen ihren Verpflichtungen nicht nachkämen. Als absolutes Novum bezeichnete Kaufmann den Negativzins bei den Bundesanleihen: "Sie müssen sich einmal vorstellen, da leihen Sie der Bundesregierung Geld und müssen auch noch dafür zahlen".

 

Und obwohl derzeit so viele Steuereinnahmen wie noch nie flössen, schaffe es die Bundesregierung selbst jetzt nicht, einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Um aus der Krise herauszukommen, legt Kaufmann den europäischen Staaten ein einfaches Prinzip ans Herz: "Man kann nicht mehr ausgeben als man hat". Und statt die konsumtiven Haushalte weiter aufzublähen, müssten jetzt die Akzente mehr auf investive Bereiche wie Bildung und Infrastruktur gelegt werden.

 

Durch und durch positiv hingegen fiel die Bilanz aus, die Peter Kaufmann und seine Vorstandskollegen Martin Grosche, Andreas Ermecke, Michael Griese für die Volksbank Bigge-Lenne zogen. Kernaussage: Die Region an Bigge und Lenne hat der vielgeschriebenen, weltweiten und europäischen Krise bislang erfolgreich getrotzt". Der Mittelstand im Geschäftsgebiet sei gut aufgestellt, der Optimismus habe weiterhin die Oberhand.

 

Die Bilanzsumme der Bank wuchs im Jahr 2011 abermals auf 1,207 Milliarden Euro an. Das entspricht einer Steigerungsrate von 2,3 Prozent, was gleichbedeutend mit einem stabilen und kontinuierlichen Wachstum sei.

 

110 Millionen Euro Eigenkapital bildeten eine solide Grundlage, mit der man schon heute, so Kaufmann, "jede Hürde von Basel III locker nimmt". Ebenfalls gewachsen sind die Kundeneinlagen, die sich auf 852 Millionen Euro belaufen. Das entspricht einem Wachstum von 1,5 Prozent. Und im Kreditbereich vertraut die Bank privaten und gewerblichen Investoren mehr als 1 Milliarde Euro an, was gegenüber dem Vorjahr einem leichten Zuwachs von 1,5 Prozent entspricht. "Mit diesem Wachstum entwickeln wir uns wie unsere Region".

130 neue Arbeitsplätze

Den heimischen Unternehmen ginge es gut, vieles wird aus eigener Kraft gestemmt. Investiert werde vor allem in die Bereiche Sanierung und Rationalisierung, weniger in Neubeschaffungen. Die gute wirtschaftliche Lage in der Region beflügelt auch Existenzgründer, 47 von ihnen wurden 2011 von der Volksbank Bigge-Lenne auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet. Dadurch seien 130 neue Arbeitsplätze entstanden. Von einer Kreditklemme könne überhaupt nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil stünden ausreichend Mittel für weitere Kreditgewährungen zur Verfügung. Im Privatbereich wird vor allem in Modernisierung, Reparaturen und in die regenerativen Energien investiert.

 

Nicht glücklich ist man mit dem derzeitigen Zinstief. "Wenn das so bleibt, steht die kapitalgebundene Altersversorgung auf dem Spiel", warnt Peter Kaufmann.

 

Solides Wachstum beim Mitgliederstand: Im Jahr 2011 kamen 1195 neue Teilhaber hinzu, wodurch die 32.500- Marke mit Schwung genommen werden konnte. Auch diesmal freuen sich die Mitglieder wieder über 693.000 Euro Dividende, was einer Verzinsung der Einlagen von sechs Prozent entspricht.

 

Stolz ist der Bankvorstand, dass der Volksbankengruppe von der überaus kritischen Ratingagentur "Standard & Poors" gerade die beste Bonität aller nicht-öffentlichen Banken bescheinigt wurde. "Somit", so Kaufmann, "liegen wir noch vor der Deutschen Bank".

 

Die Volksbank Bigge-Lenne hat zurzeit 67.000 Privat- und Geschäftskunden. Nach wie vor ist die Ausbildungsquote hoch, auf 280 Mitarbeiter entfallen 24 Lehrlinge. Die Bank ist mit 30 Filialen im Kreis Olpe sowie im Hochsauerlandkreis vertreten. Filialschließungen, so Vorstandssprecher Kaufmann, seien bisher ein absolutes Tabu gewesen, doch müsse man sich angesichts des veränderten Kundenverhaltens langfristig über den einen oder anderen Standort zumindest Gedanken machen.

 

Von dem Erfolg der Volksbank Bigge-Lenne profitiert auch die Region. So wurden 2011 fast 4 Millionen Euro an Steuern gezahlt, wovon 1,8 Millionen Euro an die Gemeinden und Städte im Geschäftsgebiet flossen.

 

Hinzu kommen 16 Millionen Euro an Gehaltszahlungen, die die Kaufkraft sichern. Weitere zwei Millionen Euro wurden an Aufträgen an Handwerker und Dienstleister aus dem Sauerland vergeben. Und 214.000 Euro wurden für Spenden an Vereine und Institutionen aufgewendet.

 

Auch im Jahr 2012 hat die Volksbank Bigge-Lenne wieder zu mehr als 40 Kunden- und Informationsveranstaltungen eingeladen - das Repertoire reichte von der mittlerweile bereits traditionellen Volksbank-Gala über das Volksbank-Forum bis hin zu mehreren Ausbildungsbörsen. Ein absoluter Erfolg war die Einführung der LieblingsKarte, einer BankCard, deren Vorderseite mit dem jeweiligen Lieblingsmotiv des Kunden bedruckt wird.

 

Quelle: SauerlandKurier, 15.01.2012, xx

Volksbank Bigge-Lenne eG
BLZ: 46062817